Call for a Fiction

In der Wettbewerbsausgabe 2019 bespielt Genius Loci Weimar zum zweiten Mal ein zeitgenössisches Gebäude, das neue Bahaus-Museum. Der ursprüngliche Wettbewerb für Fassadenprojektionen soll damit wieder auf die stadtplanerischen Aufgabenstellungen der Medienarchitektur, wie sie immer öfter im modernen Stadtbild in Erscheinung tritt, erweitert werden.

Moderne Medienarchitektur befindet sich derzeit in einem hochaktuellen Spannungsfeld zwischen willkommener Kommunikation und dem Vorwurf der Reizüberflutung einerseits, zwischen architektonischer Reästhetisierung urbaner Räume und Lichtverschmutzung andererseits. Gestalt, Qualität, Funktionalität und Nachhaltigkeit sind Fragen, mit denen sich die Medienarchitektur im Umgang mit Licht als zentralem Gestaltungselement beschäftigt.

Mit den Techniken des Videomappings soll während des Festivalwochenendes eine permanente Medienarchitekturinstallation simuliert werden. Als eine Art Entwurf gedacht, soll die Projektion zeigen, wie Fassaden zukünftig genutzt werden könnten. Es wird auch sichtbar, inwiefern die Technik der Aufprojektion eine Hilfestellung in der Visualisierung, und damit im Entwurfsprozess sein kann.

Inhaltlich sind die Einreicher in ihrer Ausrichtung frei. Während die Einreichungen bei Genius Loci Weimar bisher aufgerufen sind, den Geist des jeweiligen Ortes zu reflektieren, kann für das neue Bauhaus-Museum auch eine fiktive Historie oder Nutzung entwickelt werden. Bewusst entgegen dem Event-Charakter eines Projektionsfestivals soll die Arbeit den Anschein einer permanenten Gebäudeinstallation hervorrufen. In dieser Aufgabenstellung zeigt sich bereits die Widersprüchlichkeit, mit der Medienarchitektur oft konfrontiert wird: wo ist die exakte Balance zwischen Mehrwert und Ablenkung, wann geht Bespielung in Imission über?

Gesucht sind neue Strategien, die gleichzeitig den Passanten nicht unnötig ablenken, aber dem intensiven Betrachter etwas zu bieten vermögen. Vielleicht reagiert eine reaktive Fassade selektiv auf zugeteilte Aufmerksamkeit, vielleicht ist ein aktiver Perspektivwechsel des Betrachters gefordert, vielleicht existiert eine zeitlich wechselnde Dynamik, vielleicht erschliesst sich eine tiefer gelegene, narrative Ebene erst bei genauerer Betrachtung, nicht unählich der Malerei eines Qui Shihua.

Inhaltliche Kriterien:

  • Die Entwicklung einer Fiktion einer tatsächlichen oder fiktiven Nutzung bzw. fiktive Historie des Gebäudes des neuen Bauhaus-Museums

  • Die mediale Kommunikation dieser Fiktion, die eine Resonanz zwischen Architektur und medialer Ummantelung der Betrachter erzeugt.

  • Der Entwurf einer realitätsnahen, permanenten medialen Bespielung des neuen Bauhaus-Museums, simuliert durch Videomapping

  • Ein Beitrag, dessen sichere Positionierung im Spannungsfeld von ästhetischer Atmosphäre und kommunikativem Mehrwert zu überzeugen vermag

  • Eine bewusste Unterlassung von erratischen Effekthaschereien und aufdringlichen Klischees.

Gestalterische Kriterien:

  • Eine offene Bearbeitung für experimentelle Positionen – etwa interaktive, reaktive und dynamische Konzepte, oder Abbildungen, die aus verschiedenen Perspektiven unterschiedlich wirken, und/oder interaktive Augmentierung mit z.B. Smartphones.

  • Eine Audiogestaltung als konkreter Vorschlag zur Bespielung, oder um die beabsichtige Atmosphäre in der Festivalsituation besser simulieren zu können. Es ist dabei auch Raumakustik denkbar, entweder im Sinne von Multikanal-3D Audio oder räumlich getrennte fokussierte Audioinseln mit unterschiedlicher Narration.

  • Die eingereichten Vorschläge sollten die zu erwartende Besuchermenge berücksichtigen.

ADDRESSED ARTISTS

Der Wettbewerb richtet sich zusätzlich zu Videomappern, Filmern und Motion Designern auch ganz ausdrücklich an Architekten, Städtebauer, Denkmalpfleger, Lichtdesigner, Ausstellungsgestalter, Medienkünstler, Szenografen, Kommunikationsdesigner und alle anderen Visionäre aller Sparten und Genres. Alle Teilnehmer, ob Enthusiasten, Studierende oder Profis, werden gleichberechtigt bewertet. Wir empfehlen den Teilnehmern jedoch, in der angefragten Selbstdarstellung ihre professionellen Fähigkeiten eine solche Fassadenprojektion realisieren zu können, deutlich zu machen.

APPLICATION DEADLINE

Einsendeschluss ist Sonntag, der 07. April 2019 um 23:59h.

SUBMISSION GUIDELINES

Die Wettbewerbsteilnehmer reichen ein künstlerisches Konzept ein mit:

  • einem dreißigsekündigen audiovisuellen Videoclip (HD)

  • Projektbeschreibung (PDF, maximal 4 Seiten A4), die die fiktive Gestalt des Gebäudes beschreibt und das Konzept der medialen Bespielung erklärt

  • einem Motivationsschreiben des Teilnehmers oder der Gruppe einschließlich Selbstbeschreibung und Angabe entsprechender Referenzen. Eine professionelle Bearbeitung in der Bearbeitungszeit wird mit dieser Selbstbeschreibung eindeutig herausgestellt (max. 300 Wörter)

AUFTRAG + PREIS

Der Gewinner erhält den Auftrag eine 10-15 Minuten lange, hochaufgelöste audiovisuelle Produktion zu erstellen, die als permanentes Videomapping während des Festivalwochenendes 09.-11.08. 2019 an der jeweiligen Örtlichkeit ausgespielt werden kann. Die ausgezeichneten Arbeiten erhalten jeweils ein Preisgeld von 15.000 Euro zur Verwirklichung der Produktion.