DIE GEWINNER*INNEN 2020

Marstall - INSIDE von Emanuele Musca und Vincenzo Gagliardi

 

Goethe- und Schiller-Archiv – WEST-EAST CONVERSATION von Soheil Seraji und Nadira Madreimova

 

Altenburg - RHYTHM AND LINE von Flightgraf

 

 

 

 

 

MARSTALL
GOETHE- UND SCHILLER-ARCHIV
ALTENBURG

HYBRIS UND HOCHKULTUR

 

2020 ist für Deutschland ein bemerkenswertes Jahr, mit Jubiläen und Jahrestagen, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Deutschland feiert mit dem 'Jahr der Musik 2020' Ludwig van Beethoven und viele andere Komponisten wie Franz Liszt, die in Deutschland starke Resonanz und Förderung erfahren hatten und dadurch ihre großen Werke erst schaffen konnten.

Genauso gedenkt man auch dem 75. Jahrestag der Ereignisse rund um die Stunde Null - dem totalen Zusammenbruch am Ende des Dritten Reiches. Kaum etwas vereint das Großartige und das Schreckliche so extrem und so nah wie die deutsche Geschichte und die deutsche Kultur - das Deutsche schlechthin.

Diese faustische Zweischneidigkeit ist mitunter nur ein paar Schritte voneinander entfernt – sehr gut zu erleben im kulturell prägnanten Weimar. Vom tiefsten Punkt der diesjährigen Festivalstrecke, dem ehemaligen Marstall mit seinen Gestapo-Kellern führt der Weg über das Goethe- und Schillerarchiv, in dem die ewigen Werke der goldenen Zeit der Weimarer Klassik aufbewahrt werden, und dann weiter zur Altenburg, der Wohn- und Wirkstätte des Komponisten Franz Liszt, einem regelrechten Wallfahrtsort im sogenannten 'Silbernen Weimar' des musikalischen Schaffens.

1920 - vor genau 100 Jahren - wurde Thüringen nach einer Revolution gegründet, Thüringens erste Hauptstadt wurde Weimar, und das thüringische Parlament tagte im Weimarer Fürstenhaus. Im Schwung des Aufbruchs siedelte das junge Bauhaus in der Kulturstadt an, aber im Deutschen Nationaltheater trafen sich schon die Nationalsozialisten und sägten kräftig an der verhassten Moderne.

Ab 1930 an der Regierung, schufen die Nationalsozialisten umgehend ein Regime des Unrechtes und der Unkultur, das aus Goethes Ettersberg Sauckels Buchenwald werden lies. Auch hier: mitten auf dem berüchtigten Buchenwalder Appellplatz als einziger Baum die Goetheeiche, ein Kontrast wie er stärker nicht ausfallen könnte.

2020 war Thüringen wieder für kurze Zeit in der aufgeschreckten Weltpresse präsent. Während sich die Wogen langsam wieder glätten - diesmal hoffentlich nachhaltig - lassen wir die stummen Zeugen, die alten Mauern sprechen und vergegenwärtigen uns dabei vergangene große Zeiten und große Unzeiten.

Wir ermutigen in der diesjährigen Festivalausgabe ganz ausdrücklich Kurzfilmer, Motion Grafiker und Video- und Filmkünstler aller Genres, sich mit ihren unterschiedlichen Bildästhetiken, Animationstechniken und narrativen Konzepten auf die ausgewählten Orte zu bewerben.