5Elements aus Bremen mit "Inside Out"

5 Elements ist ein junges Künstler-Kollektiv aus Bremen, die sich alle beim Arbeitgeber, dem kreativen Künstlerstudio Urbanscreen kennen gelernt haben. Die fünf Multimedia-Künstler bringen ihre ganz individuellen Stärken in die Gruppe mit ein. Ihre Fähigkeiten liegen im Bereich Motion Design und Projection Mapping, sowie Animation und Architectural Lightning Design.

"Inside Out"

Mit Inside Out ist 5Elements eine beispielhafte Umsetzung der Wettbewerbsaufgabenstellung "Call for a fiction" gelungen. Der prägnant-klare Charakter der Arbeit bleibt von Titel bis zur Präsentation überzeugend erhalten. Inside Out arbeitet durchweg mit der gegebenen Architektur und Gebäudefunktion, nimmt relevante Aspekte auf und gibt sie mit einem Mehrwert versehen weiter. Inside Out berücksichtigt die Balance zwischen Bespielung und Immision, ist zumindest theoretisch praktisch realisierbar und dabei im Rahmen des Festivals als Projektion simulierbar. Die Arbeit ist intelligent, stimulierend und dabeistimmungsvoll. Das Spiel mit der Typographie nimmt dabei virtuos das Wesen einer Bibliothek im allgemeinen und einer Bauhaus-Bibliothek im Besonderen auf.

ÜBER DEN SPIELORT

In der Wettbewerbsausgabe 2018 bespielt Genius Loci Weimar zum ersten Mal ein zeitgenössisches Gebäude, den Neubau der Universitätsbibliothek von 2005. Der ursprüngliche Wettbewerb für Fassadenprojektionen soll damit auf die Aufgabenstellungen der Medienarchitektur, wie sie immer öfter im modernen Stadtbild in Erscheinung tritt, erweitert werden. Moderne Medienarchitektur befindet sich derzeit in einem hochaktuellen Spannungsfeld zwischen willkommener Kommunikation und dem Vorwurf der Reizüberflutung einerseits, zwischen architektonischer Reästhetisierung urbaner Räume und Lichtverschmutzung andererseits. Gestalt, Qualität, Funktionalität und Nachhaltigkeit sind Fragen, mit denen sich die Medienarchitektur im Umgang mit Licht als zentrale Gestaltungsrolle beschäftigt. Mit den Techniken des Videomappings soll während dem Festivalwochenende eine permanente Medienarchitekturinstallation simuliert werden.

Die Bibliothek selbst wurde 1860 gegründet, der viel gelobte und prämierte Neubau stammt aus dem Jahre 2005. Der auf den ersten Blick sehr klar strukturierte Baukörper fügt sich überraschend organisch in die vorliegende Tektonik und den historischen baulichen Bestand. Innerhalb des Gebäudes bilden sich dabei Achsen, Magistralen, Ansichten und Ausblicke, die man in der vorgefundenen Hofsituation in dieser Form nicht erwarten würde. Zwei prägnante Fassaden reflektieren die urbane Umgebung auf ihre jeweils eigene Art, eine über einhundert Meter lange Glasfassade nach Westen, die die Umgebung spiegelt, sowie eine betont kühle fenster- und öffnungslose Front nach Süden, die sich in die Steubenstraße schiebt und die verspielten Barockfassaden der umligenden Bauten kontrastiert.

Als Wettbewerbsobjekt für mediale Bespielung eignet sich die Universitätsbibliothek dabei ganz hervorragend: der nüchtern – klare Baukörper lässt viel Raum für eine eigene kreative Formen- und Bildsprache. Die urbane Umgebung in der Steubenstraße ist in ihrer historischen Prägung vollständig intakt erhalten und bildet so einen exemplarischen Standort für Medienarchitektur im historischen Baukontext. Gleichzeitig bildet die relativ breit gehaltene als strikte Gerade ausgeführte Steubenstraße eine sachlich-nüchterne Kulisse, an der die erzielte Wirkung einer medialen Bespielung sehr gut abzulesen ist.

Es ist beabsichtigt, auf Süd- und Westfassade vollflächig zu projizieren, und dadurch eine mediale Bespielung durch Projektoren, Leuchtelemente oder andere Methoden der Illumination oder Bespielung zu simulieren. Die Glasfassade wird projektionstauglich verhängt. Die Einreicher sind aufgerufen, eine 10-15 minütige Videobespielung zu entwickeln, die während des Festivalwochenendes an dem Ort halbstündig wiederholt wird. Das Video sollte auch Audio enthalten – entweder als konkreten Vorschlag zur Bespielung, oder um die beabsichtige Atmosphäre in der Festivalsituation besser simulieren zu können. Es ist dabei auch Raumakustik denkbar, entweder im Sinne von Multikanal-3D Audio oder räumlich getrennten fokussierten Audioinseln mit unterschiedlicher Narration, wobei aber die Besuchermenge bedacht werden sollte. Auch für die visuelle Bespielung ist der Wettbewerb offen für experimentelle Positionen – etwa Abbildungen, die aus verschiedenen Perspektiven unterschiedlich wirken, oder interaktive Augmentierung mit z.B. Smartphones.

Mit ‚Call for a fiction‘ stellt der Wettbewerbsauslober die Einreicher von thematischen Beschränkungen frei. Während die Einreichungen bei Genius Loci Weimar bisher aufgerufen sind, den Geist des jeweiligen Ortes zu reflektieren, soll für die Universitätsbibliothek eine Fiktion entwickelt werden, die eine Resonanz zwischen Architektur und medialer Ummantelung erzeugt. Das Gebäude kann dabei ein fiktionales Rechenzentrum, eine Börse, ein Kraftwerk eine Kommandozentrale oder ein Wohngebäude aus Blade Runner sein. Oder natürlich eine Bibliothek. Offenheit und Inspiration sind gefragt, den visionären Entwurfsideen sind dabei keine Grenzen gesetzt.

 

 

FOTOS

Verwendung der Fotos nur mit Bildnachweis: © Eric Seehof, Genius Loci Weimar 2018

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