MultiScalar aus Berlin mit "Musae"

MultiScalar ist ein kreatives Team aus Berlin, welches nach mehren Jahren in der Medienbranche, nach einem anderen Weg gesucht hat um sich kreativ auszuleben. Sie sind stets auf der Suche nach anderen Kreativen, welche ihre Visionen teilen. Sie finden sich in verschiedenen Bereichen der multimedialen Kunst wieder, jedoch liegt ihr Focus auf dem Videomapping. Die Wurzeln der Mitglieder finden sich teils in Weimar wieder, da einige von ihnen Medienarchitektur an der Bauhaus-Universität Weimar studierten.

"Musae"

Für ihre Produktion 'Musae' haben MultiScalar auf exemplarische Weise die Historie des Ortes mit seiner architektonischen Struktur, die an eine Theaterbühne erinnert, in Verbindung gebracht. Mit den Mitteln moderner medialer Gestaltung, mit Animation, Simulation und Abstraktion wird der Dialog und die Dialektik Muse versus Genie inszeniert. Besondere Anerkennung findet neben der ausführlichen Stoffentwicklung das Audiodesign, das das Duett der Protagonisten in seiner Entwicklung von einer anfänglichen Disharmonie hin zu einem triumphalen Finale gekonnt betont.

ÜBER DEN SPIELORT

Ich bin nun die Ursache davon, daß er uns heimlich verlassen hat, über Nacht, unangekündigt, ohne Abschied oder Erlaubnis. Der Staat ist ohne Minister, der Hof ohne Spielmeister, das Theater ohne Direktor, das Land ohne seinen großen Mann.

Diese Worte legt der Dramatiker Peter Hacks in den Mund der Weimarer Hofdame Charlotte von Stein. Sie wehrt sich gegen den Vorwurf, die Schuld an dem überraschenden und heimlich geplanten Weggang Goethes zu tragen. Natürlich trägt sie keine Schuld – der immer noch junge Goethe ist nach zehn Jahren dem Staatsdienst und Hofleben überdrüssig, es zieht ihn in die Ferne, nach Italien, wo er seine Lebens- und Abenteuerlust ausleben möchte.

Vielleicht ist die Hofdame aber nicht ganz unbeteiligt an dem Vorgang. Zehn Jahre älter als Goethe, wird ihr die Einführung Goethes am Hofe übertragen. Es entwickelt sich eine sehr enge Beziehung zwischen den beiden, die hochgebildete und scharfzüngige, dabei musisch und malerisch hoch begabte Frau beeindruckt Goethe sehr. Mindestens 1770 Briefe schreibt der junge Goethe an seine Muse und Mentorin. Wie innig die Beziehung sich tatsächlich verhielt, darüber streitet die Geschichtsschreibung bis heute. Überliefert ist aber, das Charlotte eine brennende Kerze ins Fenster stellte wenn Mann und Kinder aus dem Haus waren – was Goethe von seinem Gartenhaus am Park an der Ilm her sehr gut sehen konnte.

Keine geringere als Marlene Dietrich lebte auch in dem Haus der Frau von Stein: von 1918 bis 1921 weilt sie in Weimar und erhält eine Ausbildung zur Konzertgeigerin. Die Mutter kommt jede Woche persönlich vorbei, um der Tochter die rotblonden Haare zu Waschen, was eine Liaison mit den Musiklehrer jedoch nicht verhindern kann. Marlene Dietrich lässt ihre Unschuld in Weimar, und zieht über Berlin in die USA um dort einer der größten Filmstars aller Zeiten zu werden.

Das Haus der Frau von Stein ist das Haus der starken Frauen von gar historischem Format – und dabei auch ein Sinnbild für das stets ambivalente eigene und aufgetragene Rollenbild zwischen Verführerin und Verführter, Selbstbestimmtheit, eigener Initiative und Ziele, aber auch notwendiger Anpassung an die bestehenden Verhältnisse.

FOTOS

Verwendung der Fotos nur mit Bildnachweis: © Eric Seehof, Genius Loci Weimar 2018

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