SPIELORTE 2018

GOETHEHAUS
BAUHAUS UNIVERSITÄTSBIBLIOTHEK
HAUS FRAU VON STEIN

Mit der diesjährigen Auswahl der Gebäude lenkt Genius Loci Weimar den Blick auf zwei Themenbereiche – einerseits auf das klassische Weimar, andererseits zum ersten Mal mit einem modernen Gebäude auf das abstraktere, weiter gefasste Thema der Medienarchitektur im historischen Kontext.

 

Für die künstlerische Auseinandersetzung mit dem klassischen Weimar stehen zwei Gebäude, die nicht ganz unabsichtlich in fußläufiger Nähe sich befinden. Im Goethehaus residierte der 'Dichterfürst' fast 50 Jahre und prägte nicht nur die Weimarer Klassik, sondern über seine weitreichenden Korrespondenzen auch den intellektuellen und literarischen Diskurs in ganz Europa. Mit Napoleon marschierte 1806 die Weltgeschichte an dem Anwesen vorbei, ab 1813 setzten regelrechte Pilgerreisen von Intellektuellen aus ganz Europa an der Frauenplan ein, ein Besucherstrom, der bis heute anhält. Johann Wolfgang von Goethe steht als Inspiration für sich, keiner konnte das Böse so schelmisch funkeln lassen wie der Meister der dramatischen Tragödie selbst.

 

Das Haus der Frau von Stein beherbergte Charlotte von Stein, und – kurz, in Jugendjahren – ­erstaunlicherweise Marlene Dietrich. Die Lebensführung dieser zwei prägnanten und weltberühmten Frauen könnte unterschiedlicher nicht sein – und doch stehen sie beide für ein starkes, prägendes Frauenbild, die in ihrer jeweiligen Zeit auf ihre Weise eine starke Wirkung entfaltet haben. Charlotte von Stein wirkte noch im wesentlichen als Mentorin, Marlene Dietrich schon als Akteurin, auch hier zeigt sich eine spannende Entwicklung der Rolle der Frau in der Gesellschaft.

 

Die Universitätsbibliothek ist das erste moderne Gebäude, das von Genius Loci Weimar bespielt wird. Genius Loci Weimar erweitert hier das Festivalrepertoire um den Themenkomplex der Medienarchitektur. Das Aufführungsformat bleibt im wesentlichen unverändert, eine halbstündige Wiederholung einer auf die Fassade projizierten Videoshow, die Fragestellung ist jedoch eine andere: während die bisherigen Videoperformances sich als eine einmalige Aufführung im Rahmen eines Festivals für Projektionskunst genügen, soll die Projektion auf das Gebäude der Universitätsbibliothek als Simulation einer permanenten Medienarchitekturinstallation entwickelt werden.


Dieses innovative Wettbewerbsformat ist als Konzept im Diskurs um Videomapping und Medienarchitektur bei dem Genius Loci Talk 2017 entstanden. Das Format soll Potentiale und Grenzen der Medienarchitektur thematisieren und dabei augenfällige Fragestellungen ergebnisoffen reflektieren: welcher Inhalt, welche Narration ist ein wirklicher Mehrwert – beziehungsweise Bedarf es überhaupt eines kommunikativen Mehrwertes oder genügt eine rein (re-) ästhetisierende Arbeit? Wo liegt der Grenzbereich zwischen Augmentierung und Immision, welche Bildwelten erreichen welche Zielgruppen, wie funktioniert Medienarchitektur im historischen Bestand und wo liegen die funktionalen und ästhetischen Potentiale?

Während die bisherigen Videoperformances sich als eine einmalige Aufführung im Rahmen eines Festivals für Projektionskunst vertsehen, soll die Projektion auf das Gebäude der Universitätsbibliothek als Simulation, als Entwurf und Visualisierung einer permanenten Medienarchitekturinstallation dienen.

Dieser Wettbewerbsteil richtet sich daher neben Videomappern, Filmern und Motion Designern auch ganz ausdrücklich an Architekten, Städtebauer, Denkmalpfleger, Lichtdesigner, Ausstellungsgestalter, Medienkünstler, Szenographen und Kommunikationsdesigner und Visionäre aller Sparten und Genres.