NOTENBANK

GEWINNERBEITRAG 2017

"GESTALT"

Hotaru Visual Guerrilla

Visuals: Jone Vizcaino & Ander Ugartemendia

In ihrer Projektion „Gestalt“ untersuchen die Künstler Jone Vizcaino und Ander Ugartemendia die verschiedenen Grundsätze der Gestalttheorie. Den einzelnen Gesetzmäßigkeiten wie Geschlossenheit, Symmetrie und Gleichheit fügen sie ihre eigene kreativen Vision hinzu, um zu beschreiben wie das menschliche Auge mit visuellen Eindrücken umgeht und diese verarbeitet. Einzelnes wird entsprechender Ähnlichkeit in Gruppen sortiert, welches das Erschließen der Gesamtheit des Bildes ermöglicht. Besondere Aufmerksamkeit wird der Verbindung zwischen den „Teilstücken des Ganzen“ und dem „großen Ganzen“ gewidmet.

Die Notenbank steht stellvertretend für Letzteres, das sich aber geschichtlich gesehen in verschieden Epochen, Ereignisse und Begebenheiten auflöst. –Somit lässt sich das große Ganze hier in geschichtliche Ereignisse zerlegen. Ziel der Künstler ist es an der Geschichtsschreibung teilzuhaben und einen kleinen, wenige Minuten andauernden Teil des Ganzen in der Geschichte der Notenbank darzustellen.

ÜBER DEN SPIELORT

Ausgerechnet in dem unheilvollen Jahr 1923 bezog die ein Jahr zuvor gegründete Thüringische Staatsbank das 1894/95 errichtete Gebäude. Innen- wie außenpolitisch unter Druck und mit den zu leistenden Reparationszahlungen an die Alliierten überfordert, beschließt die junge Weimarer Republik sich durch die Ausgabe neuer Banknoten zu helfen. Der neu gewählte Reichskanzler Stresemann versuchte die Situation mit einer Währungsreform unter Kontrolle zu bringen, die den Wert einer Rentenmark auf 1 Billion Mark Papiergeld fixierte. Schlagartig war der Staat schuldenfrei, die Sparer jedoch verarmt und nach einer kurzen Phase der Konsolidierung spätestens seit der Weltwirtschaftskrise 1929 der Weg in das politische Chaos geebnet.

Nachdem die Nationalsozialisten die Macht übernommen und einen neuen Krieg über Europa und schließlich der Welt ausgerollt hatten, diente der historische Sitzungssaal im Dachgeschoss als Koordinations-, Informations- und Kooperationszentrum der Rüstungskommission des Gaus Thüringen. Sauckel, der fanatische Leiter des „Muster-Gaus“ Thüringen fordert die Industriellen noch in den letzten Kriegsmonaten dazu auf, es „hier in diesem Gau zu der Härte zu bringen, aus dem deutschen und aus dem ausländischen Arbeiter herauszuholen, was herausgeholt werden kann. Das sind wir unseren Soldaten schuldig“.

Auch das Konzentrationslager Buchenwald betreffende Themen wurden hier diskutiert und entschieden.

Mit Kriegsende ging die Bank in das Volkseigentum der DDR über. Alle staatseigenen Betriebe waren verpflichtet, ein Konto bei der Staatsbank der DDR zu führen. Werktags wurden hier allabendlich Tageseinnahmen in Höhe von 4-5 Mio Mark abgegeben. In dem am tiefsten gelegenen Tresorraum lagerte die Staatsreserve der DDR. Als auf den Fall der Mauer 1989 die Währungsunion mit Westdeutschland folgte, fand der Umtausch des Geldes für alle Bürger der Stadt Weimar in den Schalterhallen des Gebäudes statt. 2001 fand sich im Zuge der Einführung des Euros so mancher Bürger zum vierten Mal in seinem Leben zum Geldumtausch in der Notenbank wieder.

Nachdem die letzten Banken im Zuge der Virtualisierung des Geldverkehrs das Gebäude sich selbst überlassen hatten, verwahrlosten Teile des Gebäudes. Im Jahre 2013 zog mit der Stiftung der Musikpädagogin Dr. Lorna Heyge wieder ein neuer, an Kultur und Philanthropie orientierter Geist in die neu gegründete ‚Notenbank‘ ein, was sich auch im Wortspiel mit dem Doppelbegriff der ‚Note‘ – musikalisch wie finanziell – sehr gut wiederspiegelt.

WETTBEWERBSEINREICHUNGEN

FOTOS

Verwendung der Fotos nur mit Bildnachweis: © Eric Seehof, Genius Loci Weimar 2017

Verwendung der Fotos aus der letzten Reihe nicht gestattet.

 

Weiterführende Links

Homepage der Notenbank

(Heyge-Stiftung)

Rüstungskommision im Gau Thüringen

(Markus Fleischhauer)

Hyperinflation in der Weimarer Republik

(Wikipedia)

Die Architekten Eelbo und Weichardt

(Wikipedia)