SPATIAL AUDIO INSTALLATION HAFIS-GOETHE-DENKMAL

21:30–00:15 Uhr, alle 10 min. | frei

letzte Show startet um 00:00 Uhr


Beethovenplatz, 99423 Weimar

CULTURAL SOUNDS?

Raumklangkomposition:

Martin Recker, Paul Hauptmeier

„Cultural Sounds?“ ist eine immersive Reise durch Klangwelten unterschiedlicher Kulturen. Wir sehen das Hafis-Goethe-Denkmal als eine Aufforderung, Vorurteile, kulturelle Klischees und Abgrenzung zu hinterfragen, da der Ort für Verständigung und Austausch über geographische und kulturelle Grenzen hinweg steht. Durch die Dekonstruktion kulturspezifischer akustischer Zitate wird die binäre Gegenüberstellung von Orient und Okzident kritisiert und die angebliche Gegensätzlichkeit aufgehoben. Ausgangsmaterialien für das Werk sind unter anderem Fieldrecordings aus Deutschland und aus dem Iran, menschliche Stimmen, Verarbeitungen von Instrumentalaufnahmen und abstrakten Klangobjekten. Mithilfe des IOSONO-Systems werden die Klanglandschaften auf eine hyperrealistische Ebene gebracht. Unser besonderer Dank gilt unseren Sprechern Niusha Ramzani und Saman Moeinsadat für die freundliche Bereitstellung einiger Audioaufnahmen aus dem Iran. 

Das Künstlerduo Hauptmeier/Recker hat in den letzten Jahren bereits mehrere größere Projekte im Bereich elektroakustischer Klanggestaltung, live Elektronik und räumlicher Komposition realisiert. Unter anderem „Crossing the Sea'“- Live-Elektronik für 3D Videomapping in Ilmenau, „Katajjacoustic“ - eine Konzertreihe für Live-Elektronik und zwei Kehlkopfsängerinnen, sowie ein elektroakustisches Konzert beim Next_Generation Festivals des ZKM Karlsruhe. Dieses Jahr waren sie für die elektroakustische Klanggestaltung bei der Inszenierung des Freischütz am Deutschen Nationaltheater Weimar zuständig. Zur Zeit studieren beide Komposition an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar.

DER SPIELORT

Hafis mit dir, mit dir allein
Will ich wetteifern! Lust und Pein
Sei uns, den Zwillingen, gemein!

(Johann Wolfgang von Goethe)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nicht Schiller, Wieland oder Carl August – nein, den persischen Poeten des 14. Jahrhunderts Hafis hat der Dichterfürst Goethe im reifen Alter von 65 als seinen geistigen 'Zwilling', betrachtet.

Hafis' Werke - durch die Übersetzung des Orientalisten Joseph von Hammer-Purgstall ab 1812 auf deutsch vorliegend - inspirierten Goethe zutiefst. Goethe attestierte Hafis die 'Übersicht des Weltwesens', war höchst angetan von dessen Religionsauslegung, die auch seiner eigenen, eher philosophischen denn religiösen Sichtweise von Welt und Glaube entsprach. Mehr noch: Goethe schreibt eine Gedichtsammlung von 12 Büchern, den 'West-östlichen Divan' in denen das lyrische Ich ein Moslem ist. Bis heute windet sich die Literatur und die allgemeine Geschichtswiedergabe um die überraschende Nähe Goethes, dem Verkünder des Urdeutschen, des 'Faustischen', zum Islam.

Das Hafis-Goethe-Denkmal am Beethovenplatz in Weimar erinnert mit zwei sich gegenüberstehenden granitenen Stühlen, die ost-westlich ausgerichtet sind, an die Begegnung Goethes mit dem Werk des Hafis.

Die beiden Teile eines Granitblocks würden zusammengesetzt wieder den vollständigen Granitblock ergeben, womit die Einheit von Orient und Okzident dargestellt werden soll.

Das Genius Loci Weimar Festival möchte in diesem Jahr mit einer raumakustischen Installation diese Begegnung und somit auch das hochaktuelle Spannungsfeld von Orient und Okzident thematisieren.